Geschichten aus dem Notruf-Alltag: «Ende gut, alles gut»
Jeden Tag bietet das Rote Kreuz über 25 Menschen Hilfe, die wegen eines ernsthaften Problems die Notrufzentrale alarmieren. Einige Geschichten aus dem Alltag.
Immer bereit für den Notfall: Die Alarmtaste am Armband, um die Notrufzentrale zu informieren.
Die Notrufzentrale nimmt den Anruf entgegen und organisiert umgehend Hilfe, selbst wenn die Person nicht mehr sprechen kann.
An einem Dienstagmorgen stürzte Marie F. in ihrer Küche.
«Ich ging nicht davon aus, dass mir etwas zustossen würde»
Die 82-jährige Marie F. lebt allein mit ihrem Hund Caramel. Da sie an Gleichgewichtsstörungen leidet, hat ihr der Arzt zu einem Rotkreuz-Notrufsystem geraten. Vor einigen Wochen ist sie seinem Rat gefolgt. «Ich ging nicht davon aus, dass mir etwas zustossen würde, sondern legte mir das Gerät bloss zur Sicherheit zu», erzählt die Stadtbewohnerin.
Doch es kam anders: An einem Dienstagmorgen stürzte sie in ihrer Küche. Obwohl sie mehrmals versuchte, wieder aufzustehen, kam sie nicht mehr vom Boden hoch. Schliesslich drückte sie die Alarmtaste an ihrem Armband, um die Notrufzentrale zu informieren.
Sobald die Mitarbeiterin der Zentrale über die Situation im Bild war, rief sie die Nachbarin von Frau F. an, die einen Wohnungsschlüssel besitzt. Nach nur zehn Minuten war Marie F.s Schutzengel bereits bei ihr. «Trotzdem schienen mir diese Minuten unendlich lang», erinnert sie sich. Sie war froh, dass die Mitarbeiterin der Zentrale während der gesamten Zeit am Apparat blieb. Zum Glück hat sich Frau F. beim Sturz nicht verletzt. «Ende gut, alles gut», erklärt sie.



Frau F. mit Hund Caramel: «Mir schienen diese Minuten nach dem Sturz unendlich lang.»
Pierrot M.: «Ich war noch nie so froh, meinen Arzt zu sehen.»
Verbrennungen ...
Bei seiner Heimkehr aus dem Spital, wo ihm ein Unterschenkel amputiert werden musste, liess der 78-jährige Pierrot M. vom lokalen Roten Kreuz ein Notrufsystem installieren. «Vor allem meine Tochter bestand darauf», erklärt er. Sie mache sich grosse Sorgen um ihn, vor allem, wenn sie in die Ferien fahre. Heute sei sie beruhigt.
«Sie ruft mich aber trotzdem jeden Abend an», erzählt Herr M., der seit zwei Jahren Witwer ist. Er hat das System einmal benutzt, als er sich mit kochendem Wasser schwere Verbrennungen an einer Hand zuzog. Die Notrufzentrale rief sofort die Kontaktpersonen an. Da alle drei nicht erreichbar waren, bot sie direkt den behandelnden Arzt auf. «Ich war noch nie so froh, meinen Arzt zu sehen; eine Verbrennung ist wirklich sehr schmerzhaft», erinnert sich der ehemalige Bauer, dessen Verletzung langsam heilt.
… und Herzprobleme
Die 72-jährige Emma F. spürte eines Morgens, dass ihr Herz streikte. «Zum Glück habe ich automatisch die Alarmtaste gedrückt», sagt sie und zittert noch heute in der Erinnerung an diesen Vorfall. Sie kann sich nicht mehr erinnern, was danach geschah.


Emma F.: «Zum Glück habe ich automatisch die Alarmtaste gedrückt.»
In einem Fall gelang es dank dem System, einen Einbrecher in die Flucht zu schlagen
Das Schlimmste verhindern
Als die Zentrale von der Kundin keine Antwort erhielt, verständigte sie sofort die Tochter von Emma F. und erklärte ihr, es liege ein Notfall vor. Als Samariterin, die sich in Erster Hilfe auskennt, begab sich die Tochter rasch in die Wohnung und leitete lebensrettende Massnahmen ein. Unterdessen alarmierte die Zentrale den Sanitätsdienst, der das Schlimmste verhindern konnte. Nach einem Spitalaufenthalt und einer längeren Erholungskur lebt Emma F. heute wieder in ihrer liebgewordenen Wohnung. Zu Hause fühlt sie sich zwar noch schwach, aber schon viel besser. «Ich würde es nicht ertragen, in einem Heim zu leben», sagt sie einfach.
Auf frischer Tat ertappt
Die meisten Kundinnen und Kunden benutzen das Rotkreuz-Notrufsystem bei gesundheitlichen Problemen. Zu diesem Zweck wurde das System auch hauptsächlich eingerichtet: Es soll älteren, behinderten oder kranken Menschen ermöglichen, sicher zu Hause zu leben.
Doch manchmal muss die Zentrale auch aus anderen Gründen eingreifen. So alarmierte ein Kunde die Zentrale, weil bei ihm ein Brand ausgebrochen war. Dank raschem Eingreifen konnte die unverzüglich verständigte Feuerwehr grössere Schäden verhindern. In einem anderen Fall gelang es dank dem System, einen Einbrecher in die Flucht zu schlagen: Die Stimme aus dem Nichts, die drohte, die Polizei zu rufen, scheint Eindruck gemacht zu haben…
Text: Christine Rüfenacht
Fotos: Daniel Wietlisbach

