«Wenn du zu mir kommst, bringst du die Sonne mit»
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Einkaufen, einen Kaffee trinken, plaudern: Wie zwei gute Freundinnen treffen sich die körperlich behinderte Irma Fankhauser und die SRK-Freiwillige Dora Bader regelmässig. Ein Beispiel dafür, wie wenig manchmal nötig ist, Menschen den Puls des Lebens wieder spüren zu lassen.
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Dora Bader und Irma Fankhauser
Freundinnen: Die SRK-Freiwillige Dora Bader (links) und Irma Fankhauser treffen sich regelmässig.
 
 
 
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Irma Fankhauser und Dora Bader beim Wühlen in Kleiderständern
Den Stoff spüren, die Farben wirken lassen, Tipps geben, ein bisschen träumen – und manchmal kaufen.
 
 
 
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Irma Fankhauser und Dora Bader beim Wühlen in Kleiderständern

Die Augen im dezent geschminkten Gesicht der 77-jährigen Irma Fankhauser blitzen. «Oh, ist das schön!». Sie fährt prüfend mit drei Fingern über die olivenfarbene Bluse, die ihr die SRK-Freiwillige Dora Bader präsentiert. «Du hast einen guten Geschmack», stellt die Frau im Rollstuhl fest, deren Bein vor drei Jahren amputiert werden musste. «Und du verführst mich immer», ergänzt sie und verdreht ironisch die Augen. «Am liebsten mag ich es, mit dir einzukaufen.» Dora Bader spitzt ihren Mund zu einem stillen, spitzbübischen Lächeln.

Dora Bader schiebt Irma Fankhauser ins Dorfcafé von Balsthal (SO). «Vor kurzem war ich das erste Mal alleine im Dorf», erzählt sie einer Bekannten stolz.
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Dora Bader: «Ich helfe dir, regelmässig unter die Leute zu kommen und ein möglichst normales Leben zu führen.»
Jeden Sonnenstrahl erhaschen

Die beiden Frauen aus zwei Generationen kommen regelmässig hierher. «Im Sommer», sagt Irma Fankhauser lächelnd zu Dora Bader, «bist du jeweils nicht zu halten, weil du jeden Sonnenstrahl erhaschen willst.» Dies führt sie zum Kompliment: «Wenn du zu mir kommst, bringst du die die Sonne mit.»

Die Rotkreuz-Freiwillige sieht ihre Rolle nüchtern: «Ich helfe dir, regelmässig unter die Leute zu kommen und ein möglichst normales Leben zu führen.» Und: Irma Fankhauser hat dank der regelmässigen Einkäufe einen vollen Kühlschrank – und manchmal eine Ergänzung für den Kleiderschrank...
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Zweimal wurde Irma Fankhauser ein Teil ihres Beines abgenommen.
 
 
 
Schattenmomente
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Dass Irma Fankhauser wieder regelmässig die Sonne geniessen kann, ist nicht selbstverständlich: Vor vier Jahren lag sie über ein halbes Jahr im Spital. Sie erlitt einen Herzinfarkt, lag auf der Intensivstation. Nach vier Stromstössen holten Ärzte sie ins Leben zurück. Zweimal wurden ihr ein Teil ihres Beines abgenommen. «Ich versuche, diesen Schock so gut wie möglich zu verarbeiten und hadere nicht mit dem Schicksal. Ich habe gelernt, wieder in den Spiegel zu schauen und meinen Körper anzunehmen wie er ist.»

Dora Bader kennt diese Episoden an der Grenze zwischen Verzweifeln und Hoffen. «Was du mir erzählst, bleibt bei mir», versichert die 50-jährige Dora Bader, Mutter von drei jungen Frauen. «Das weiss ich. Ich vertraue dir.»
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Dora Bader: «Von Anfang an spürte ich Vertrautheit zwischen uns.»
 
 
 
«Gemeinsam schaffen wir das»
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Seit gut einem halben Jahr treffen sie sich regelmässig. «Ein mulmiges Gefühl» habe sie gehabt, erinnert sich die SRK-Freiwillige, als sie die 77-Jährige das erste Mal besuchte. «Nicht wegen deines Beins, das kürzer ist. Sondern weil ich bislang nur Erfahrung mit Kindern hatte. Doch von Anfang an spürte ich Vertrautheit zwischen uns.»

Die beste Voraussetzung dafür, ein neues Ziel anzusteuern: den kleinen Laden etwas abseits vom Dorfzentrum, in dem Wolle verkauft wird. Ein verheissungsvolles Ziel für die leidenschaftliche Strickerin Irma Fankhauser. Allerdings gibt es ein Hindernis zu überwinden: eine Treppe. Doch die beiden Frauen sind überzeugt: «Gemeinsam schaffen wir auch das.»
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Irma Fankhauser und Dora Bader gehen gerne unter die Leute.
Menschen integrieren

Soziale Integration ist ein Hauptpfeiler im Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) im Inland. Die 24 SRK-Kantonalverbände setzen sich ein in allen Kantonen für behinderte, ältere und junge Menschen, für Migrantinnen und Migranten. Sprachkurse, Besuchdienste, diverse Selbsthilfegruppen, Reintegrationsprogramme in die Arbeitswelt, Wäsche- und Flickdienst – dies einige Beispiele der vielfältigen Palette.

Wer bietet was an? Wo kann man sich freiwillig engagieren? Erkundigen Sie sich bei Ihrem SRK-Kantonalverband (Link siehe rechte Spalte).

Marcel Friedli, SRK
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