HIV/Aids: „Der Kampf ist noch lange nicht gewonnen“
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Daniel Biedermann, Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), hat Anfang November 2006 die SRK-Projekte in Swasiland besucht. Im Kleinstaat im südlichen Afrika sind rund 33% der Erwachsenen mit dem HI-Virus infiziert. Ein Interview.
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Junges Mädchen in Swasiland
In Swasiland ist die Lebenserwartung auf 33 Jahre gesunken. Tausende Kinder wachsen ohne Eltern auf.
 
 
 
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Daniel Biedermann und Mann aus Swasiland
„Der Überlebenswille der Bevölkerung ist ansteckend“: Daniel Biedermann, der Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes, in Swasiland.
 
 
 
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Fast jeder hat Angehörige verloren oder ist durch die Situation von Familienmitgliedern belastet.
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Eine kontrastreiche Reise

  • Welchen Eindruck hat das südafrikanische Land bei Ihnen hinterlassen?

    „Es war eine kontrastreiche Reise: Einerseits empfinde ich angesichts des Elends tiefe Betroffenheit und Entmutigung, anderseits sind die Lebensfreude und der Überlebenswille der Menschen derart eindrücklich und ansteckend, dass auch Hoffnung aufkommt. Dass die Menschen trotz ihrer tragischen Lebensumstände noch die Kraft haben zu lachen, hat mich berührt und ermutigt.“

  • Swasiland hat mit 33% die weltweit höchste HIV-Prävalenzrate, die Lebenserwartung ist aufgrund der Krankheit auf 33 Jahre gesunken. Ist diese Tragödie dem Besucher in dem südafrikanischen Land ersichtlich?

    „Dem Besucher Swasilands fällt auf den ersten Blick nichts auf. Erst wenn man das Gespräch sucht und sich die Zeit nimmt zu beobachten, spürt man die Last, die die Menschen zu tragen haben. Fast jeder hat Angehörige verloren oder ist durch die Situation von Familienmitgliedern belastet: Mütter und Väter, die durch die Krankheit bedingt nicht mehr für ihre Familie sorgen können, hinterlassen grosse Lücken. Die Erschöpfung der Menschen ist gut spürbar.“
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    Schild des Swasiland Red Cross in Sigumbeni
    In der Klinik Sigumbeni wird ein ganzheitlicher Behandlungsansatz angewendet, den die WHO zur „best practice“ erklärt hat.
     
     
     
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    Gebannt verfolgen Schülerinnen und Schüler ein Theaterspiel zur Aidsprävention.
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    Ein umfassender Behandlungsansatz

  • Das SRK, das swasiländische Rote Kreuz und die Gesundheitsbehörden arbeiten gemeinsam in den Bereichen Aufklärung, Prävention und Therapie. Welche Projekte haben Sie besonders beeindruckt?

    „Ich hatte die Gelegenheit, an Präventionsveranstaltungen von jungen Freiwilligen des swasiländischen Roten Kreuzes teilzunehmen. Durch Theaterspiele und unter Einbezug des Publikums wird wichtige Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet. Das hat mich stark beeindruckt. Ebenso imponiert hat mir die Klinik in Sigumbeni, insbesondere die Heimpflege von Aidskranken. Diese verlangt vom Pflegepersonal sowie von den Kranken und ihren Angehörigen unglaublichen Einsatz.

    In Sigumbeni wenden wir einen umfassenden Behandlungsansatz an, das heisst, dass wir nebst Prävention auch Aids-Tests anbieten, den Betroffenen beratend beistehen, Kranke medikamentös behandeln und ihre soziale Integration wieder verbessern. Dieser ganzheitliche Ansatz wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als vorbildliche „best practice“ bezeichnet und soll nun in allen Kliniken in Swasiland angewendet werden.“
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    Die SRK-Projekte in Swasiland sind in rund 10-jähriger Arbeit entwickelt worden.
     
     
     
    Langjähriger Einsatz des SRK
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  • Wie wird in einem Land, in dem HIV/Aids lange ein Tabuthema war, Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet?

    „Durch die kontinuierliche Arbeit der Aufklärungsteams ist die Stigmatisierung der Krankheit eindeutig zurückgegangen. Man sieht Frauen und Männer, die die Aufschrift „HIV positive“ oder „Always use condoms“ auf ihrem T-Shirt tragen. Auch dank der Einführung der antiretroviralen Therapie nimmt die Angst vor der Krankheit und der Ausgrenzung ab. Die Menschen haben einen sichtbaren Beweis dafür, dass es trotz Aids eine Überlebenschance gibt. Dass der König von Swasiland, Mswati III., unlängst seine Bevölkerung aufgerufen hat, sich testen zu lassen, kann zudem nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Testen ist der erste Schritt zu einer nachhaltigen und systematischen Bekämpfung der Pandemie.“

  • Welches ist der wichtigste Beitrag, den das SRK in Swasiland leistet?

    „Die SRK-Projekte in Swasiland sind in rund 10-jähriger Arbeit entwickelt worden. Diesen langjährigen Einsatz des SRK schätzen unserer Partner nebst der Unterstützung des swasiländischen Roten Kreuzes als wichtigsten Beitrag ein, weil wir als zuverlässiger Partner anerkannt sind und ein beträchtliches Ansehen geniessen. Ebenso wichtig ist die finanzielle Unterstützung des Gesundheitswesens in Swasiland. Das Gesundheitsministerium ist durch die über 33%-ige HIV-Verbreitungsrate und durch neue, aggressive Formen der Tuberkulose immer wieder überfordert. Der Staat ist vorläufig auf fremde Hilfe angewiesen.“
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    Mutter mit Tochter und Sohn
    Dank moderner Medikamente hat diese Frau wieder die Kraft, für ihre Familie zu sorgen.
     
     
     
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    Gruppe von Jungen
    Kinder leiden unter den Folgen der Aids-Epidemie besonders.
     
     
     
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    Die HIV/Aids-Projekte sind in langjähriger Zusammenarbeit mit dem swasiländischen Roten Kreuz entwickelt worden.
    Einen Beitrag zur Eingrenzung der Krankheit leisten

  • Wo sehen Sie die Stärken der Rotkreuzprogramme und wo könnten in Zukunft Verbesserungen getroffen werden?

    „Die Einführung der antiretroviralen Therapie 2005 war ein ganz wichtiger Eckstein in unserem Behandlungskonzept. Sobald die behandelten Patienten wieder arbeitsfähig sind, versuchen wir, ihnen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Beispielsweise wurden im Rahmen eines Selbsthilfeprojektes Gemeinschaftsgärten aufgebaut, in welchen Bohnen und Gemüse angepflanzt werden. Diese Perspektiven sind für die Menschen, aber auch für den durch HIV/Aids wirtschaftlich geschwächten Staat, immens wichtig. Es zeigt, dass man auch mit HIV/Aids leben kann.“

  • Am 1.Dezember ist Internationaler Welt-Aids-Tag. Welche Botschaft haben Sie als Direktor des SRK für diesen Tag?

    „Der Kampf gegen HIV/Aids ist trotz moderner Therapieformen noch lange nicht gewonnen. Nicht nur die ständige Gefahr von Resistenzen, sondern auch neue Formen aggressiver Krankheiten wie beispielsweise Tuberkulose fordern uns immer wieder heraus. Indem wir den am stärksten Betroffenen im südlichen Afrika helfen, leisten wir letztlich auch einen Beitrag zur Eingrenzung der Krankheit in unserem Land.“

    Interview: Annette Godinez, SRK
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